Vorderachse XJ12

Die Vorderachskonstruktion weist aus meiner Sicht einige Besonderheiten gegenüber Standardkonstruktionen auf. Während bei modernen Fahrzeugen die Radaufhängungen direkt am Chassis befestigt sind, setzte man bei Jaguar auf einen stabilen Hilfsrahmen der neben Stoßdämpfer, Federn, Bremsscheiben, Bremszangen, Radlagern mit Nabe, Radaufhängung und Lenkungsteilen auch gleichzeitig den Motor trägt: Die Vorderachse wird dabei über Gummimetallblöcke (elastische Gummi-Metallverbindung / Bild 3 Teilenummer: C.30314) mit dem Chassis verbunden. Bei Daimler Benz gab es so etwas erstmals beim ersten 180er mit Pontonkarosserie und wurde damals in den Prospekten als "Fahrschemel" besonders herausgestellt. Jaguar vertraute dieser Lösung nicht nur beim XJ sondern auch schon bei seinen Vorgängermodellen MKI / MKII / S / 420 / MK10 / 420G. Diese Konstruktion bietet den Vorteil einer Entkopplung  der Karosserie von Schwingungen, die von Fahrwerk und Motor erzeugt werden. Auf relativ einfache Weise wird hier im Idealfall verhindert, dass Abrollgeräusche, Fahrwerkpoltern und Motorvibrationen in die Karosserie eingeleitet werden. Bei den damaligen Fertigungsmethoden (ich meine hier den Zeitpunkt des erstmaligen Einsatzes beim MKI und MKII) galt diese Konstruktion auch noch als besonders rationell in der Fertigung.  Die komplette Vorderachse konnte als eigenständige Baugruppe an einem anderen Ort vorgefertigt und dann am Fliesband zusammen mit dem Motor bei der so genannten  "Hochzeit" schnell mit dem Chassis verbunden werden. Bei der XJ12 Baureihe der Serie I bis III konnte dieser Vorteil nicht genutzt werden denn der Motor wurde komplett mit Getriebe erst nach der Montage der Vorderachse von oben eingebaut. Nachteilig ist, diese Konstruktion ist sehr schwer und durch die elastischen Gummimetallblöcke ist eine 100% exakte Radführung nicht möglich. Speziell bei verschlissenen Gummimetallblöcken führt das zu Poltergeräuschen und in gewissem Rahmen zu Eigenlenkverhalten.

                 

 Bild 1                                            Bild 2                                             Bild 3

Hinterachse XJ12       

Für die Hinterachse gelten im wesentlichen die gleichen Eigenschaften wie für die Vorderachse. Durch Gummimetallblöcke geräuschentkoppelt mit dem Chassis verbunden und als eigenständige Baugruppe separat vorzufertigen, was die Montage erleichtert. Durch die Verlegung der Scheibenbremsen direkt an das Differential konnten die ungefederten Massen deutlich verringert werden. Was zu einem besseren Fahrverhalten und einer feinfühligeren Federung führt. Diese Bremsanordnung ist allerdings mit einigen Nachteilen verbunden. Die Bremsen bekommen zu wenig Kühlung, was bei hoher Belastung zu Bremsfading führt. Der Belagwechsel gestaltet sich schon zu einem Akt und beim Scheiben- bzw. Zangenwechsel kommt so richtig Freude auf. Man muss allerdings anerkennend feststellen, dass diese Hinterachskonstruktion zu den besonders gelungenen gehört. Nicht umsonst findet man Jaguar-Hinterachsen bzw. Teile davon auch in anderen Fahrzeugen wie z. B. im Isorivolta.

Der Hinterachse sollte im täglichen Betrieb besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Da sind jede Menge Schmiernippel, die alle 10.000km abgeschmiert werden wollen (Natürlich sind auch an der Vorderachse genügend Schmiernippel. Da müssen zum Abschmieren sogar die Räder ab). Die Aufhängung des Radlagerträgers kann bei verschlissenen Silentbuchsen zu einem gefährlichen und unkalkulierbaren Eigenlenkverhalten führen. Darauf gehe ich noch zu einem späteren Zeitpunkt im Detail auf der Schrauberseite ein.

     

Reifenfreigabe für die Serie III